Sonntag, 4. Oktober 2015

Eine Hommage an Melville, bzw. eine Landpartie auf den Wagram


Nennt mich Barbara. Vor einigen Jahren – wie lange es wirklich her ist, tut nichts zur Sache – war eines Tages mein Geldbörse erschreckend leer, und da mich auch sonst nichts in der Großstadt hielt in der ich mich gerade als moderne Nomadin befand, dachte ich mir, fahre doch einfach etwas raus aufs Land. Das ist so meine Methode, wieder ins Gleichgewicht zu kommen und mein Blut in einen Rausch zu versetzen. Immer wenn mich tiefe Melancholie überfällt, meine Mundwinkel herabhängen und sich mir das feuchte rieseln des Regens aufs eh schon betrübte Gemüt schlägt, wenn ich unwillkürlich vor den Auslagen der Bestatter stehen bleibe und von jedem Leichenzug unwiderstehlich angezogen werde, kurz, wenn mich die trüben Stimmungen so überwältigen, dass es aller meiner Kräfte bedarf, um mich zusammenzunehmen, da ich am liebsten auf die Straße laufen und allen Passanten an den Haaren ziehen möchte, dann ist es allerhöchste Zeit für mich, mich auf den Weg zu machen. Das ist die Weise, die ich wähle, anstatt von einer Brücke zu springen....... 

An diesen Samstag machte ich mich begleitet von einer kleinen Entourage auf den Weg. Das Ziel, wie in letzter Zeit schon des Öfteren, war der Westen. Mit dem Zug drangen wir für steirisch sprechende in unbekannte Gebiete vor.
Die Einheimischen stellten sich als besonders nett und hilfsbereit heraus und so begaben wir uns auf Entdeckungstour durch einen verwunschen Garten, den sie als Garten Tulln an allen Ecken anpriesen.


Die herbstliche Sonne brachte die letzte Blütenpracht und Blätter zum Strahlen und unsere Seelen lachten mit diesen um die Wette.
Dem leiblichen Wohl nicht ganz abgeneigt und dem knurren unser Mägen gehör schenkend, gelangten wir dem Wagramkamm folgend nach Bierbaum.
Die Einkehr erfolgte beim Dorfheurigen Leopold Bauer. Diese überschlugen sich an Gastfreundlichkeit und brachten unseren Tisch mit Köstlichkeiten zum Biegen. Besonders hat es uns die Käseplatte angetan, welche mit köstlichem frischem Brot und einem fruchtigen Quittenchutney angereichert uns an den Tisch gebracht wurde. Als den Bäuchen unter den Tischen der Platz zu eng wurde, beschlossen wir die Heimreise anzutreten. Langsam tuckerte der Zug Richtung Wien und unsere Melancholie haben wir zurück gelassen.

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