Nennt mich
Barbara. Vor einigen Jahren – wie lange es wirklich her ist, tut nichts zur
Sache – war eines Tages mein Geldbörse erschreckend leer, und da mich auch
sonst nichts in der Großstadt hielt in der ich mich gerade als moderne Nomadin
befand, dachte ich mir, fahre doch einfach etwas raus aufs Land. Das ist so
meine Methode, wieder ins Gleichgewicht zu kommen und mein Blut in einen Rausch
zu versetzen. Immer wenn mich tiefe Melancholie überfällt, meine Mundwinkel
herabhängen und sich mir das feuchte rieseln des Regens aufs eh schon betrübte
Gemüt schlägt, wenn ich unwillkürlich vor den Auslagen der Bestatter stehen
bleibe und von jedem Leichenzug unwiderstehlich angezogen werde, kurz, wenn
mich die trüben Stimmungen so überwältigen, dass es aller meiner Kräfte bedarf,
um mich zusammenzunehmen, da ich am liebsten auf die Straße laufen und allen
Passanten an den Haaren ziehen möchte, dann ist es allerhöchste Zeit für mich,
mich auf den Weg zu machen. Das ist die Weise, die ich wähle, anstatt von einer
Brücke zu springen.......
An diesen Samstag
machte ich mich begleitet von einer kleinen Entourage auf den Weg. Das Ziel,
wie in letzter Zeit schon des Öfteren, war der Westen. Mit dem Zug drangen wir
für steirisch sprechende in unbekannte Gebiete vor.
Die Einheimischen
stellten sich als besonders nett und hilfsbereit heraus und so begaben wir uns
auf Entdeckungstour durch einen verwunschen Garten, den sie als Garten Tulln an
allen Ecken anpriesen.
Die herbstliche
Sonne brachte die letzte Blütenpracht und Blätter zum Strahlen und unsere
Seelen lachten mit diesen um die Wette.
Dem leiblichen
Wohl nicht ganz abgeneigt und dem knurren unser Mägen gehör schenkend, gelangten wir dem
Wagramkamm folgend nach Bierbaum.
Die Einkehr
erfolgte beim Dorfheurigen Leopold Bauer. Diese überschlugen sich an
Gastfreundlichkeit und brachten unseren Tisch mit Köstlichkeiten zum Biegen.
Besonders hat es uns die Käseplatte angetan, welche mit köstlichem frischem
Brot und einem fruchtigen Quittenchutney angereichert uns an den Tisch gebracht
wurde. Als den Bäuchen unter den Tischen der Platz zu eng wurde, beschlossen
wir die Heimreise anzutreten. Langsam tuckerte der Zug Richtung Wien und unsere
Melancholie haben wir zurück gelassen.
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